Grundlagen
Wie ChatGPT & Co. ihre Quellen auswählen

Viele Unternehmen stehen bei Google weit oben und kommen in ChatGPT trotzdem nicht vor. Lucas Würms, Gründer von growResonance, hat in seinem Beitrag für t3n nachgezeichnet, woran das liegt: an dem Weg, den eine Frage nimmt, bis ein KI-Chatbot eine Quelle zitiert. Hier fassen wir die vier Stationen zusammen, ordnen die Studien dahinter ein und zeigen, wie Sie Ihre eigene Website Station für Station prüfen.
Das Wichtigste in Kürze
- Nur rund 12 Prozent der Seiten, die ChatGPT, Gemini, Copilot und Perplexity zitieren, stehen für dieselbe Frage in den Google-Top-10. Das zeigt eine Analyse von Ahrefs mit 15.000 Suchanfragen.
- Der Grund liegt im Weg zur Antwort: Die KI zerlegt die Frage in Teilsuchen, fragt je nach Anbieter einen anderen Index ab, muss die Seite technisch lesen können und wählt am Ende nach Seitentyp, Aktualität und Fremdquellen aus.
- Entscheidend ist deshalb nicht das eine Top-Keyword, sondern ob es zu jeder Teilfrage Ihrer Kunden eine passende, aktuelle Seite gibt – und ob Sie messen, was davon in den Antworten ankommt.
Inhaltsverzeichnis
- Warum ein Google-Ranking für ChatGPT nicht reicht
- Station 1: Aus einer Frage werden viele Suchen
- Station 2: Jeder Anbieter sucht in einem anderen Index
- Station 3: Die Such-Bots müssen Ihre Seite lesen können
- Station 4: Was die KI am Ende zitiert
- Messen statt raten
- Checkliste: Ihre Website in sieben Schritten
- Häufige Fragen
Warum ein Google-Ranking für ChatGPT nicht reicht
Google vertritt die Linie, dass Website-Betreiber für KI-Antworten nichts Besonderes tun müssen: Gutes SEO genüge, berichtete t3n. Für Googles eigene KI-Übersichten stimmt das weitgehend. Ahrefs fand, dass 76 Prozent der Zitate in den AI Overviews aus den Google-Top-10 stammen. Die KI-Übersichten folgen also den klassischen Suchergebnissen.
Bei den anderen Assistenten sieht das anders aus. Für eine Analyse aus dem August 2025 hat Ahrefs 15.000 Fragen bei Google, Bing und den KI-Assistenten gestellt und die zitierten Seiten verglichen.
| KI-System | Zitierte Seiten in den Google-Top-10 |
|---|---|
| Googles AI Overviews | 76 % |
| Perplexity | 28,6 % |
| ChatGPT, Gemini, Copilot | jeweils rund 8 % |
| Durchschnitt aller Assistenten | 12 % |
Quelle: Ahrefs (2025), Wert der AI Overviews aus einer früheren Ahrefs-Studie.
Ein Beispiel aus dem t3n-Beitrag macht das greifbar: Ein Büromöbelhersteller mit 400 Mitarbeitenden steht bei Google für „höhenverstellbarer Schreibtisch Büro“ auf Platz zwei. Eine Office-Managerin fragt ChatGPT, welche höhenverstellbaren Schreibtische sich für ein Büro mit 50 Arbeitsplätzen eignen. Die Antwort nennt drei Wettbewerber – den Hersteller nicht. An der Qualität seiner Website muss das nicht liegen. Meist fehlt schlicht der Inhalt, den die KI auf ihrem Weg zur Antwort sucht. Diesen Weg zeigen die vier Stationen.
Station 1: Aus einer Frage werden viele Suchen (Query Fan-out)
Ein KI-Chatbot gibt die Frage selten wortgleich an eine Suchmaschine weiter. Er formuliert daraus eine oder mehrere gezieltere Suchen. Google nennt das „Query Fan-out“, OpenAI beschreibt für die ChatGPT-Suche dasselbe Prinzip. Aus der Schreibtisch-Frage werden so zum Beispiel diese Teilsuchen:
| Teilsuche | Seite, die darauf antworten könnte |
|---|---|
| ergonomische Schreibtische fürs Büro | Ratgeber zur Ergonomie am Arbeitsplatz |
| Traglast für mehrere Monitore | Produktseite mit technischen Daten |
| Mengenrabatte für Firmenkunden | Seite für Geschäftskunden mit Konditionen |
Das erklärt die geringe Überschneidung mit Google. Laut Ahrefs ranken rund 80 Prozent der zitierten Seiten für die ursprüngliche Frage überhaupt nicht. Gefunden werden sie über die Teilsuchen. Wer nur auf das eine Top-Keyword optimiert, deckt diese Teilsuchen nicht ab.
So prüfen Sie es: Sammeln Sie die Fragen, die Kunden vor einer Kaufentscheidung stellen, und zerlegen Sie jede in ihre Teilfragen: Kriterien, technische Details, Preise, Einsatzfälle. Prüfen Sie für jede Teilfrage, ob es auf Ihrer Website eine Seite gibt, die sie direkt beantwortet. Die Lücken in dieser Liste sind Ihre Content-Agenda. Wie Sie einen solchen Fragenkatalog aufbauen, zeigt der Artikel ChatGPT-Erwähnungen mit 30 Prompts messen.
Station 2: Jeder Anbieter sucht in einem anderen Index
Jede Teilsuche läuft gegen ein Suchverzeichnis, einen sogenannten Index. Welcher das ist, hängt vom Anbieter ab.
| KI-System | Index | Was Sie tun können |
|---|---|---|
| Gemini, Google AI Overviews, Google AI Mode | klassisches SEO, Google Search Console | |
| ChatGPT | Suchpartner wie Bing, eigener Such-Bot | Bing Webmaster Tools, OAI-SearchBot zulassen |
| Microsoft Copilot | Bing | Bing Webmaster Tools |
| Claude | Brave (laut TechCrunch) | Claude-SearchBot zulassen |
| Perplexity | eigener Index | PerplexityBot zulassen |
Quellen: Google, OpenAI, TechCrunch, Perplexity.
Unterschätzt wird vor allem Bing. Laut Bitkom nutzen 71 Prozent der KI-Nutzenden in Deutschland ChatGPT, 50 Prozent Gemini und 43 Prozent Copilot. Perplexity und Claude liegen deutlich darunter. Wer bei Google und Bing gut aufgestellt ist, erreicht also den Großteil. Viele Unternehmen haben sich um Bing aber nie gekümmert.
So prüfen Sie es: Melden Sie Ihre Website in den Bing Webmaster Tools an. Das ist in wenigen Minuten erledigt, eine bestätigte Website aus der Google Search Console lässt sich übernehmen. Kontrollieren Sie danach, ob Ihre wichtigsten Seiten im Bing-Index stehen.
Station 3: Die Such-Bots müssen Ihre Seite lesen können
Damit die KI eine Seite verwenden kann, müssen ihre Such-Bots sie abrufen können. Meist ist das kein Problem. Für den t3n-Beitrag hat Lucas Würms die Startseiten von 309 Mittelständlern und Familienunternehmen geprüft: Gut vier von fünf ließen alle getesteten KI-Bots herein. Wo gesperrt wurde, traf es meist Trainings-Bots.
Diese Unterscheidung ist wichtig, denn die Anbieter schicken verschiedene Bots los. Trainings-Bots sammeln Texte für künftige Modelle und spielen für die Suche keine Rolle. Such-Bots bauen den Index auf, aus dem die Antworten kommen. Wer einen Such-Bot sperrt, verschwindet aus den Antworten des Anbieters.
| Anbieter | Such-Bot (für Antworten) | Trainings-Bot |
|---|---|---|
| OpenAI | OAI-SearchBot | GPTBot |
| Anthropic | Claude-SearchBot | ClaudeBot |
| Perplexity | PerplexityBot | keiner (PerplexityBot sammelt laut Perplexity nicht für das Training) |
| Googlebot | Google-Extended (Steuerzeichen in der robots.txt, kein eigener Bot) |
Quellen: OpenAI, Anthropic, Perplexity, Google.
Vorsicht bei Google-Extended: Das Zeichen regelt laut Google nicht nur das Training der Gemini-Modelle, sondern auch, ob Inhalte für das Grounding in den Gemini-Apps genutzt werden dürfen. Auf die Google-Suche wirkt es nicht. Daneben gibt es Abrufe, die eine konkrete Nutzerfrage auslöst (ChatGPT-User, Claude-User, Perplexity-User).
Auch JavaScript ist selten ein Hindernis. Die Bots von OpenAI, Anthropic und Perplexity führen es laut einer Analyse von Vercel zwar nicht aus, die meisten Websites liefern ihren Text aber direkt im HTML mit. Heikel wird es bei Inhalten, die erst im Browser nachgeladen werden, etwa in Produktkonfiguratoren.
So prüfen Sie es: Öffnen Sie ihre-domain.de/robots.txt und suchen Sie nach den Such-Bots aus der Tabelle. Steht unter einem von ihnen oder unter User-agent: * ein Disallow: /, ist er ausgesperrt. Für JavaScript genügt der Seitenquelltext: Rufen Sie ihn im Browser auf (Strg+U, auf dem Mac Cmd+Option+U) und suchen Sie nach einem Satz aus Ihrem wichtigsten Inhalt. Fehlt er dort, sieht ihn auch der Bot nicht.
Station 4: Was die KI am Ende zitiert
Nach welchen Kriterien die Systeme auswählen, legt kein Anbieter offen. Große Auswertungen zeigen aber drei klare Muster.
Der Seitentyp zählt
Das AI Search Lab von Wix Studio hat mehr als eine Million Zitate aus ChatGPT, Google AI Mode und Perplexity ausgewertet, berichtet Search Engine Land. Listen und Vergleiche machten 21,9 Prozent der Zitate aus, Ratgeberartikel 16,7 Prozent, Produktseiten 13,7 Prozent. Welcher Typ gewinnt, hing vor allem von der Suchabsicht ab: Wer nach Anbietern fragt, bekommt Vergleiche. Wer ein Problem lösen will, bekommt Ratgeber.
Aktualität zählt
Laut einer Ahrefs-Auswertung von rund 17 Millionen Zitaten sind die Inhalte, die KI-Assistenten zitieren, im Schnitt 25,7 Prozent jünger als die Seiten in Googles klassischen Ergebnissen. Am stärksten bevorzugt ChatGPT neue Inhalte. Veraltete Preise, Modellbezeichnungen oder Jahreszahlen sind deshalb ein echter Nachteil. Es hilft aber nicht, nur das Datum zu ändern: Überarbeiten Sie die Seite inhaltlich.
Fremde Quellen zählen
Neben Herstellerseiten zitiert die KI häufig Vergleichsportale, Fachmedien und Branchenverzeichnisse. Wer dort vorkommt, landet indirekt in der Antwort, auch wenn die eigene Website nicht zitiert wird. Welche Quellen in Ihrem Markt zählen, zeigt ein einfacher Test: Stellen Sie die typischen Kundenfragen selbst in ChatGPT, Gemini und Copilot und notieren Sie, welche Seiten genannt werden. Wie Sie solche Quellen systematisch auswerten, beschreibt der Artikel zur LLM-Quellenanalyse.
Messen statt raten: So sehen Sie, was ankommt
ChatGPT hängt laut OpenAI an Links in seinen Antworten den Zusatz utm_source=chatgpt.com an. In Google Analytics sehen Sie diese Besuche deshalb unter der Sitzungsquelle „chatgpt.com“. Microsoft zeigt seit Februar 2026 in den Bing Webmaster Tools den Bericht „AI Performance“: Er verrät, wie oft Ihre Website in Copilot und in Bings KI-Antworten zitiert wird und über welche Suchbegriffe die KI sie gefunden hat.
| Methode | Was sie zeigt | Was sie nicht zeigt |
|---|---|---|
Webanalyse mit utm_source=chatgpt.com | Besuche über Links aus ChatGPT | Nennungen ohne Klick, andere Assistenten |
| Bericht „AI Performance“ in Bing | Zitate in Copilot und Bing, Suchbegriffe der KI | Klicks, ChatGPT und Gemini |
| Eigene Stichproben | Nennungen und Quellen einzelner Antworten | Schwankungen und Trends |
| Plattform für KI-Sichtbarkeit | Nennungsrate, Wettbewerber und Quellen über die Zeit | Besuche (dafür die Webanalyse) |
Stichproben haben eine Grenze: KI-Antworten schwanken. Dieselbe Frage liefert morgen andere Marken und andere Quellen. Belastbar wird das Bild erst, wenn viele Fragen regelmäßig und wiederholt gestellt werden. Genau das übernehmen spezialisierte Plattformen für KI-Sichtbarkeit. Achten Sie bei der Auswahl darauf, wie viele Fragen getestet und wie oft sie wiederholt werden.
growResonance stellt Ihre Kundenfragen in den Plänen ab Growth täglich an ChatGPT, Gemini und Google AI Mode und zeigt, wie oft Ihre Marke genannt wird, welche Wettbewerber auftauchen und welche Quellen die Antworten nutzen. So sehen Sie, ob neue Seiten für Ihre Teilfragen tatsächlich in den Antworten ankommen.
Checkliste: Ihre Website in sieben Schritten prüfen
- Teilfragen abdecken: Typische Kundenfragen sammeln, in Teilfragen zerlegen und prüfen, ob es zu jeder eine passende Seite gibt.
- Passenden Seitentyp wählen: Für Anbieterfragen Vergleiche und Übersichten anbieten, für Problemfragen Ratgeber.
- Aktuell bleiben: Preise, Modelle und Daten regelmäßig prüfen und Seiten wirklich überarbeiten, nicht nur das Datum ändern.
- Fremdquellen pflegen: Herausfinden, welche Portale und Medien die KI in Ihrem Markt zitiert, und dort präsent sein.
- Bing nicht vergessen: Die Website in den Bing Webmaster Tools anmelden.
- Technik kurz prüfen: Such-Bots nicht aussperren und prüfen, ob die wichtigsten Inhalte ohne JavaScript im Quelltext stehen.
- Messen: Besuche aus ChatGPT in der Webanalyse beobachten, den Bericht „AI Performance“ bei Bing nutzen und Nennungen regelmäßig messen.
Fazit: Sichtbar wird, wer die Teilfragen beantwortet
Google hat recht: Gutes SEO bleibt die Grundlage. KI-Assistenten suchen aber nicht nach einem Keyword, sondern nach Antworten auf viele Teilfragen, in unterschiedlichen Indizes, und sie bevorzugen aktuelle, passend aufbereitete Inhalte. Wer diese Inhalte liefert und misst, was davon ankommt, optimiert nicht ins Blaue.
Den vollständigen Beitrag lesen Sie bei t3n: GEO- und Website-Check: Wie sich der KI-Chatbot Infos sucht und was Unternehmen daraus lernen können.
Über den Autor
Lucas Würms ist Gründer von growResonance. Mit der Software messen Unternehmen und Agenturen, wie sichtbar ihre Marke in den Antworten von ChatGPT, Gemini und Google AI Mode ist, und verbessern ihre Präsenz in der KI-Suche. Seine Beiträge bei t3n finden Sie auf seiner Autorenseite.
Häufige Fragen
Reicht gutes SEO, um in ChatGPT genannt zu werden?
Gutes SEO ist die Grundlage, reicht aber nicht. Laut Ahrefs stehen nur rund 12 Prozent der Seiten, die ChatGPT, Gemini, Copilot und Perplexity zitieren, für dieselbe Frage in den Google-Top-10, bei ChatGPT allein sind es rund 8 Prozent. Die KI findet Quellen über Teilsuchen, teils in anderen Indizes wie Bing, und bevorzugt aktuelle Inhalte. Anders bei Googles AI Overviews: Dort stammen 76 Prozent der Zitate aus den Top-10.
Was ist Query Fan-out?
Query Fan-out bezeichnet das Zerlegen einer Frage in mehrere gezieltere Suchen. Google verwendet den Begriff für seine KI-Funktionen, OpenAI beschreibt dasselbe Prinzip für die ChatGPT-Suche. Aus der Frage nach Schreibtischen für ein Büro mit 50 Arbeitsplätzen werden etwa Suchen nach Ergonomie, Traglast und Mengenrabatten. Laut Ahrefs ranken rund 80 Prozent der zitierten Seiten für die ursprüngliche Frage gar nicht, sie werden über diese Teilsuchen gefunden.
Welche Suchmaschine nutzt ChatGPT?
ChatGPT nutzt laut OpenAI Suchpartner wie Microsofts Bing und einen eigenen Such-Bot namens OAI-SearchBot. Gemini und Googles KI-Übersichten greifen auf den Google-Index zurück, Copilot auf Bing, Claude laut TechCrunch auf Brave und Perplexity auf einen eigenen Index. Wer bei Google und Bing gut aufgestellt ist, deckt den Großteil der KI-Nutzung in Deutschland ab.
Sollte ich KI-Bots in der robots.txt sperren?
Unterscheiden Sie zwischen Trainings-Bots und Such-Bots. Wer GPTBot oder ClaudeBot sperrt, schließt seine Inhalte vom Training künftiger Modelle aus, kann über die Such-Bots aber weiter in den Antworten auftauchen. Wer OAI-SearchBot, Claude-SearchBot oder PerplexityBot sperrt, verschwindet aus den Antworten dieser Anbieter. Bei Google-Extended ist Vorsicht geboten: Es regelt laut Google auch die Nutzung für das Grounding in den Gemini-Apps.
Wie messe ich, ob meine Website in KI-Antworten vorkommt?
Für erste Zahlen genügen drei kostenlose Wege: Besuche mit utm_source=chatgpt.com in Google Analytics, der Bericht „AI Performance“ in den Bing Webmaster Tools und eigene Stichproben. Weil KI-Antworten schwanken, braucht ein belastbares Bild viele Fragen, die regelmäßig wiederholt werden. Einen schnellen Einstieg bietet der kostenlose KI-Sichtbarkeits-Check.
Empfehlungen
- GEO- und Website-Check bei t3n – der vollständige Beitrag von Lucas Würms.
- LLM-Quellenanalyse – welche Quellenarten KI-Modelle zitieren und wie Sie sie auswerten.
- Ist meine Marke in LLMs sichtbar? – der Einstieg in die Messung.
- KI-Sichtbarkeit mit growResonance – tägliche Messung in ChatGPT, Gemini und Google AI Mode.